Eine Anzeige im Stellenportal, ein Aushang im Schaufenster, vielleicht noch die Arbeitsagentur: So lief die Personalsuche jahrzehntelang. Sie funktioniert immer schlechter, und das liegt nicht am Text der Anzeige.
Das Grundproblem
Klassische Stellenanzeigen erreichen nur Menschen, die aktiv suchen. Im Handwerk ist diese Gruppe klein. Wer eine Stelle hat, sucht selten aktiv, wäre aber bei einem guten Angebot durchaus gesprächsbereit.
Genau diese Gruppe erreichen Sie über Stellenbörsen nicht. Sie erreichen sie dort, wo sie sich ohnehin aufhält: in ihrem Social-Media-Feed.
Was Social Recruiting anders macht
Statt darauf zu warten, dass jemand sucht, wird die Anzeige gezielt an Menschen ausgespielt, die zum Profil passen: nach Region, Alter und Interessen. Der Unterschied zeigt sich an drei Stellen.
Die Ansprache. Kein Behördendeutsch, keine Floskeln von dynamischen Teams. Ein Satz, der beschreibt, worum es wirklich geht, und einer, der sagt, was der Betrieb bietet.
Das Format. Ein kurzes Video aus der Werkstatt oder von der Baustelle wirkt um ein Vielfaches besser als ein Textblock. Es muss nicht professionell produziert sein. Es muss echt sein.
Der Bewerbungsweg. Wer auf dem Handy scrollt, lädt keinen Lebenslauf hoch. Ein kurzes Formular mit Name, Telefonnummer und einer Frage zur Erfahrung genügt für den ersten Kontakt. Alles Weitere klärt sich im Gespräch.
Was in die Anzeige gehört
Bewerber entscheiden in wenigen Sekunden. Diese Angaben entscheiden mit:
- Was genau gemacht wird, nicht nur die Berufsbezeichnung
- Eine Gehaltsspanne, auch wenn es unangenehm ist. Anzeigen ohne Gehalt werden deutlich seltener angeklickt
- Arbeitszeiten und wie es mit Überstunden gehandhabt wird
- Einsatzgebiet und ob Montage anfällt
- Wer der direkte Ansprechpartner ist, mit Namen
Die Reaktionszeit entscheidet
Der häufigste Grund, warum Kampagnen scheitern, liegt nicht in der Anzeige, sondern danach. Wer sich abends über das Handy meldet und drei Tage nichts hört, ist weg.
Legen Sie vorher fest, wer Bewerbungen sieht und wie schnell reagiert wird. 24 Stunden sind ein guter Richtwert, ein kurzer Rückruf schlägt jede formale E-Mail.
Realistische Erwartung
Social Recruiting ist kein Automat. Sie bekommen mehr Kontakte als über eine Stellenanzeige, darunter auch unpassende. Der Aufwand verschiebt sich vom Warten zum Sortieren.
Für die meisten Betriebe ist das der bessere Tausch: lieber zehn Gespräche führen, von denen zwei passen, als drei Monate auf eine einzige Bewerbung warten.